Stories aus der Sandmausgeschichte

Blankensteinnadel  von Volkmar

Mal wieder in München sollte es dieses Wochenende zum Klettern ins Voralpenland gehen. Doch wegen Ulli`s Rufbereitschaft mußten wir den Samstag in der Nähe der Stadt verbringen. Also zogen wir zu einem großen Badesee und verbrachten dort in der brütenden Sonne und im kühlen Nass einige Stunden, am Abend wurde Hubert´s Geburtstag im Garten seiner Münchener Bleibe gefeiert. Der Sonnenbrand, der sich bei mir stets nach sonnigen Badetagen einstellt ( es sei denn LSF>20 war im Einsatz) machte mir schon zu diesem Zeitpunkt das Bewegen schwer - alles zog und spannte.
  Nun war Sonntag und das Wetter wieder toll, sprich extrem wolkenlos und warm. Es kostete uns einige Überwindung, doch dann waren wir unterwegs zum Blankenstein oberhalb des Tegernsees. Vom Parkplatz auf der Mautstraße nach Valepp warteten nun 1000m Anstieg auf uns, nur zum kleinen Teil durch Bäume geschützt. Um nicht weiteren Schaden zu nehmen ließ ich die dicken Jeans an und geriet gehörig ins Schwitzen. Unterwegs ein Schild 'Bier, Limo, Käsbrot' ließ uns aufmerken, aber noch hatten wir Getränke.
  Nach über einer Stunde hatten wir den steilen Teil geschafft und genossen die Aussicht auf die umliegenden Berge. In der Ferne die hohen noch schneebedeckten Alpen und nicht allzu fern, gleich gegenüber - der Blankenstein. Ein etwa 100m hoher freistehender schroffer Kalkfelsen. Sein Gipfel ist etwa 1800m hoch. Und nun sahen wir auch unser eigentliches Ziel, die Blankensteinnadel. Etwa 45m hoch und 15m x 5m im Grundriß bietet diese kompakte Platte ein beeindruckendes Bild. Da wollten wir hinauf, na mal sehen. Abermals war ein Anstieg zu meistern, doch diesmal nicht so steil immer in der Nordflanke eines Berges. Weit unter uns ein großes Scheefeld an einem klaren Bergsee, auf unserem Weg nur noch ein kleiner Scheefleck, dafür aber schöne Gebirgsblumen, stiegen wir langsam in den Blankensteinsattel hinauf. So aus der Nähe betrachtet macht die Nadel einen ganz einladenden Eindruck. Als Aufstieg wählten wir die gutaussehende Südkante die ´Räuberleiter´.
  Nun kam die Frage des Materials zum Tragen. Null Schlingen, Keile, Friends, Stopper, Haken aber immerhin 9 Expresschlingen - die Sportkletterer in den Alpen. Aber wir hatten Glück. Einige neue Bohrhaken und zahlreiche ältere Haken stecken im Fels. Einmal muß nachgeholt werden. Bald waren wir soweit, Nacken und Waden sonnengecremt gings los. Bester Fels, super Landschaft, wenig Leute, gute Laune, blöder Sonnenbrand. Die Nachholestelle nach 15m scheint etwas seltsam, doch die HS hat man dort schon, denn kurz vorher ist der Fels recht glatt und Griffe sind eher senkrechter Art. Als Ulli sich am Stand festmacht, wird klar - mit 9 Exen muß ich nun bis auf den Gipfel kommen und mich noch festmachen. Nächster Punkt, das Seil ist 40m lang, müßte!! reichen.
  Guter Dinge steige ich die Kante weiter hinauf. An einem Rißüberhang gehen schon wieder 3 Exen drauf. Eben habe ich die vorletzte Expresschlinge verbraten, der Gipfel ist noch sehr weit. Da wieder ein Bohrhaken, glatte Wandstelle, letzte Exe weg. Hm. Die Kante legt sich der Fels wird griffig. Mit Bedacht klettere ich nun die letzten 10m hinauf. Fast bin ich oben, da tönt von unten ´Seil gleich zu Ende´. O.K. Seil durch den Abseilhaken gefädelt, wieder eingebunden sitze ich nun kurz festgebunden auf dem höchsten Punkt der Nadel und freue mich über den Gipfel und den tollen Ausblick. Nun ist Ulli dran. Irgendwo kurz nach dem Start kommt sie lange nicht voran. Mal wieder ein Längenzug? Es dauert, die Sonne brennt. Endlich ruckt das Seil und wird bei mir zügig mehr. Bald kann ich sie schon sehen und wenig später ist sie da. Kurze Gipfelrast. Jetzt schnell weg aus der Sonne in die Scharte abseilen. 1Abseile , 45m hoher Fels, 40m langes Seil, ???. Alles klärt sich auf. Nach genau 20m erreichen wir einen großen Absatz, von dem weg es in einfacher Kaminkletterei zum Wandfuß geht. Ulli mault etwas, muß aber auch herunter und so sind wir nach 2.5h wieder am Einstieg.
  Durst. Schluck-Schluck - Flasche leer. Hm. Also Abstieg. Noch schnell einige Fotos gemacht, dann steigen wir ab. Wieder am Schneefleck vorbei, Arme und Kopf kühlen und weiter. Hin und wieder schieben sich jetzt schon große Wolken vor die Sonne, angenehm mal nicht gegrillt zu werden. Im Abstieg wächst der Durst wieder enorm. Im Auto ist nichts mehr, Geschäfte haben nicht auf. Aber da war doch noch der Wegweiser mit Bier, Limo, Käsbrot. Darauf hoffen wir. Da sind wir. Das Schild weist zu einem Kuhstall. Ein schmaler Weg führt herum und was ist das? In einer Holztränke stehen Kästen mit Bier und Limo im kühlen Wasser, dazu saubere Gläser und Schatten. Kasse des Vertrauens, Preise human. Das ist ja echt klasse. Die Erfrischung bekommt uns gut und so wandern wir guter Dinge die letzten Kilometer zum Auto und sind eine Stunde später wieder in Ulli´s Wohnung.
  Spät am Abend kommen Uli, Silke und Frank vom Samson-Radmarathon und so fahren wir gemeinsam zurück nach Dresden und sind früh 3Uhr wieder da.